Update 23.01.2026
Bei einem privaten Forschungsprojekt wie diesem gibt es viel Bewegung: Hypothesen werden aufgestellt und verworfen, Fakten erhärten sich, Sichtweisen kommen hinzu. Stand heute, 23. Januar 2026, sieht es danach aus:
Elise Magdalena Auguste Schelpien
(später: Wester; später: Witte)
Name:
Elise Magdalena Auguste Schelpien
Geburt / Taufe:
Elise Magdalena Auguste Schelpien wurde am 12. November 1866 in Kiel geboren und am 26. Dezember 1881 in der Kirche St. Nicolai, Kiel, getauft (Taufregister St. Nicolai, Nr. 448). Eine staatliche Geburtsurkunde existiert nicht, da die allgemeine Personenstandsregistrierung in Preußen erst ab 1874 eingeführt wurde.
Eltern:
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Vater: Heinrich Schelpien, Zimmermann (vermutlich Schiffszimmermann)
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Mutter: Magdalena Dorothea Staack
Die Eltern heirateten 1862 in Kiel (Kirche St. Nicolai, Trauung Nr. 93). Beide stammen aus Kieler Familien. Die Mutter ist in späteren Quellen weiterhin im unmittelbaren Umfeld Elises nachweisbar.
Familie und Kindheit
Elise wuchs mit mehreren Geschwistern auf; nach Abgleich der Kirchenbucheinträge lassen sich fünf Kinder eindeutig denselben Eltern zuordnen. Sie war eines von vier Mädchen; hinzu kam ein jüngerer Bruder. Die familiäre Situation deutet auf einen strukturierten, arbeitsgeprägten Haushalt, wie er für viele Kieler Handwerkerfamilien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts typisch war.
Schulbildung (Kontext)
Über Elises Schulbildung liegen bislang keine direkten Nachweise vor; der Besuch der städtischen Elementarschule darf jedoch als gesichert gelten. Spätestens als junge Erwachsene war Elise berufstätig. In der Heiratsurkunde ihrer ersten Ehe wird sie als Verkäuferin bezeichnet – ein Beruf, der funktionale Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse voraussetzte und im städtischen Umfeld Kiels für Frauen ihres Milieus üblich war.
Die in Preußen verpflichtende Elementarschulbildung umfasste Lesen, Schreiben, Rechnen und Religionsunterricht. Die erfolgreiche Konfirmation (1881) setzt funktionale Lesekompetenz voraus.
Ein Besuch höherer Mädchenschulen ist nicht belegt. Für eine spätere Tätigkeit im Handel reichte die Grundbildung jedoch aus.
Jugend und frühe Berufstätigkeit
Elise wurde 1881 in St. Nicolai konfirmiert. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt.
Spätestens vor ihrer ersten Eheschließung war Elise berufstätig. In der standesamtlichen Heiratsurkunde von 1891 wird sie als „Verkäuferin“ bezeichnet. Dies ist ein gesicherter Befund.
Zum Zeitpunkt dieser Eheschließung wohnte Elise in der Schuhmacherstraße 8, einer Adresse, die zugleich mit der Wollwarenhandlung Hansen in Verbindung steht. Es ist plausibel, aber nicht beweisbar, dass Elise dort als Verkäuferin tätig war.
Erste Ehe: Wester = Hansen
Im Jahr 1891 heiratete Elise Sophus Gustav Wester, der im kirchlichen Trauungseintrag ausdrücklich als „Wester = Hansen“ bezeichnet wird (Kirche St. Nikolai, Trauung Nr. 184). Wester war Kaufmann und Witwer. Die Ehe dauerte nur kurz: Wester verstarb bereits 1891. In der Folge führte Elise die mit dem Namen „Hansen“ verbundene Wollwarenhandlung weiter. In den Adressbüchern erscheint sie in den frühen 1890er Jahren als Inhaberin; der Firmenname blieb dabei unverändert bestehen. Der zeitweise geführte Namenszusatz „Wester“ hatte offenbar keine eigenständige wirtschaftliche Bedeutung.
Diese Formulierung belegt:
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die Personengleichheit von „Wester“ und „Hansen“,
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die Einbindung des Ehemanns in den Hansen’schen Handelskomplex,
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und erklärt die zuvor in Adressbüchern auftretenden Doppelnamen Hansen-Vester/Wester.
Der Ehemann verstarb vermutlich kurz nach der Eheschließung (innerhalb weniger Jahre). Elise wurde Witwe.
Unternehmerische Stellung
Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns erscheint Elise in den Adressbüchern der 1890er Jahre als:
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Inhaberin der Firma „Gustav Hansen“
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mit einer Wollwarenhandlung
Dies belegt, dass Elise:
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erbte (entweder direkt vom Ehemann oder aus dem Hansen’schen Besitz),
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rechtlich und wirtschaftlich als selbstständige Geschäftsinhaberin auftrat,
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und nicht lediglich als Platzhalterin oder Verwalterin genannt wurde.
Für eine Frau ihrer sozialen Herkunft ist dies bemerkenswert, aber nicht außergewöhnlich für das Handelsmilieu der Zeit.
Zweite Ehe und Fortführung des Geschäfts
Im Jahr 1894 ging Elise eine zweite Ehe mit Wilhelm Witte ein. Witte war zu diesem Zeitpunkt neu nach Kiel zugezogen und zunächst als Registrator tätig. Kurz nach der Eheschließung wird er in den Adressbüchern als Kaufmann geführt; die Hinweise sprechen dafür, dass er in das von Elise eingebrachte Geschäft eintrat. Die wirtschaftliche Kontinuität des Unternehmens blieb dabei gewahrt.
In den Adressbüchern des frühen 20. Jahrhunderts wird Witte als Inhaber geführt, unter explizitem Bezug auf die Nachfolge von „Gustav Hansen“.
Dies spricht dafür, dass Elise:
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das Geschäft in die Ehe einbrachte,
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und die wirtschaftliche Kontinuität über sie verlief.
Über mehrere Jahre lebte Elise gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Mehrgenerationenhaushalt, wie er für verwitwete Frauen und ihre erwachsenen Kinder im städtischen Umfeld nicht ungewöhnlich war. Elise blieb über längere Zeit als wirtschaftlich handelnde Person sichtbar; ihr Name erscheint wiederholt in den Adressbüchern im Zusammenhang mit der Wollwarenhandlung.
Einordnung
Elise Schelpien stammt aus einer arbeitenden Kieler Familie, wuchs in beengten Verhältnissen mit mehreren Geschwistern auf und erwarb früh ökonomische Selbstständigkeit. Über ihre erste Ehe gelangte sie in eine bestehende Handelsstruktur, die sie nach dem frühen Tod ihres Mannes eigenständig weiterführte.
Sie steht exemplarisch für Frauen des städtischen Klein- und Mittelhandels, deren wirtschaftliche Bedeutung in zeitgenössischen Quellen häufig hinter männlichen Firmennamen verborgen bleibt, sich jedoch bei genauer Analyse klar erkennen lässt.